Die Brücke Ponte di Ganda
Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts nahm der Herzog von Milano Ludovico il Moro (der "Mohr") ein
umfassendes Befestigungs - und
Strassenbauprogramm in den Gebirgstälern in Angriff, das den Bau einer
festen Brücke über die Adda in Morbegno einschloss. Mit dem Projekt wurde Giovanni Antonio Amadeo,
einer der berühmtesten Architekten der lombardischen Renaissance, beauftragt aber das Werk wurde infolge
von Unvereinbarkeiten zwischen lokalen Gegebenheiten und zentraler Verwaltung und später wegen des
Untergangs der Herrschaft der Sforza erst Anfang des sechzehnten Jahrhunderts vollendet. Erstmalig im Jahr
1566 zerstört und sogleich wieder aufgebaut, spielte die Brücke eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur auf
lokaler Ebene, als Verbindung zwischen den beiden Hängen des Tals, sondern auch im weiteren Rahmen, als
zwangsläufi ger Übergang im Verkehr zwischen dem Norden und Süden der zentralen Alpen und als wichtigste
Alternative zum Comer See. Der heutige Bau mit drei Bögen geht auf das Jahr 1778 zurück und ist ein Werk
des Mailänder Architekten Bernardino Ferrari. Die ursprüngliche Brücke war seit sechs Jahren eingestürzt,
und ein erster Auftrag an Antonio Nolfi aus Como hatte zu nichts geführt.
Der Hang Costiera dei Cèch
Der rhätische Hang des unteren Veltlins wird seit undenklichen Zeiten Costiera (oder Montagna - Berg) dei Cèch genannt. Eine Bezeichnung, der bis vor wenigen Jahrzehnten eine verächtliche Konnotation anhaftete, die jedoch heute in die offi zielle Toponomastik übergegangen ist. Ihr Ursprung ist mysteriös, hängt aber wahrscheinlich mit moncèch zusammen (Bewohner der Berge des oberen westlichen Comer Sees), was wiederum von Francesco herrühren könnte, und zwar als Adjektiv der antiken Bevölkerung der Franken, oder als Bezug auf die Gegenwart franziskanischer Mönche.In der Tat war der rhätische Hang des unteren Veltlins während der Zeit der Visconti-Sforza und der darauf folgenden Herrschaft derGraubündner eine Verwaltungseinheit für sich, wie Squadra di Traona im unteren Teil des Veltlins.Es handelt sich hierbei nämlich um ein sonniges Gebiet, das natürliche und anthropische Eigenschaften aufweist, die sich vom schattigen orobischen Hang deutlich unterscheiden. Es herrschen Weinanbau und ein verstreutes Netz von Wohnsiedlungen vor, die ehemals nur in bestimmten Jahreszeiten von einer zur saisonalen Migration gezwungenen Bevölkerung bewohnt wurden.
Kleiner S. Fedelino-Tempel (1069)
Die kleine Kirche Tempietto di S. Fedelino, eines der reizvollsten Monumente der lombardischen Frühromanik erhebt sich inmitten unberührter Natur, und zwar genau da, wo der Fluss Mera in den Mezzòla See mündet. Erreichbar über den See oder vom Land aus, indem man den bequemen Wanderwag von Casenda di Samòlaco einschlägt, weist er eine schlichte, quadratische Struktur (etwa je 3,5 m pro Seite) mit einer kleinen, vom See aus sichtbaren Apsis im Osten auf. Die ungewöhnliche Lage, mit der gegen die nahe Felswand gewandten Fassade, hat ihren Ursprung in dem Bestreben, den im zehnten Jahrhundert errichteten Tempel richtig auszurichten. Er erinnert an das Martyrium des römischen Soldaten Fedele, das sich im vierten Jahrhundert an diesem Ort ereignet hatte, der damals wegen der Nähe zur “Strada Regina”, die von Como
aus zu den Gebirgspässen von Valchiavenna führte, von der Durchfuhr betroffen war. Erbaut aus Quadern hiesigen Gesteins, verziert mit Hängebögen und Spuren von Freskenmalerei an den Aussenwänden, weist er innen eines der ersten lombardischen Kreuzgewölbe und Fresken aus dem elften Jahrhundert, besonders in der Apsis auf, wo
man das Fresko mit Christus dem Allmächtigen und den Aposteln bewundern kann. |