Von Chiavenna: die Strasse des Bergells
   
Italiano Versione italiana   Deutsche Fassung Deutsche Fassung
Da Bergamo a Coira lungo le vie storiche
menù graf graf
 
ALLGEMEINE HINWEISE

Charakterisierung der Flora und Fauna

 
HISTORISCHEN STRAßEN
01 Bergamo
S.Marco Pass
02 S.Marco Pass
Morbegno
03 Morbegno
Dubino
04 Dubino
Chiavenna
05 Die Strasse
des Bergells
06 Chiavenna
Splügenpass
07 Splügenpass
Chur
KARTEN

Das Alte Piuro und der Palazzo Vertemate Franchi
Palazzo Vertemate FranchiHeute ist Piuro nur noch ein Name: eine Benennung einer der dreizehn Gemeinden des Valchiavenna. Zum Ortsnamen gehört allerdings kein bewohnter Ortskern. Das gleiche gilt für Campodolcino, Samolaco und Villa di Chiavenna. Der Unterschied liegt darin, das es einmal einen Ort namens Piuro gab. Es war ein belebtes Viertel, dass sich in dem weiten Trogtal ausstreckte, in welches man kurz unterhalb des südlichen Eingangs zur Bregaglia kam. Die Unternehmungslust und die industrielle Rivalität mit Chiavenna führten im XII Jahrhundert zur Unabhängigkeit und wurde so eine autonome Gemeinde. Der Wohlstand kam durch den beidseitigen Warenverkehr über die Alpen, den Handel, die Förderung und Verarbeitung des Topfsteins. So wie es immer und überall der Fall war, neben den Reichen schlugen sich die anderen irgendwie durch, transportierten die Waren, arbeiteten in den Steinbrüchen und in den Werkstätten. Mäßig waren auch die Erträge und Ernten der Bauern, die sich der Landwirtschaft und der Aufzucht auf eher unfruchtbarem Boden widmeten. Die Erde wurde mühsam von den Berghängen abgetragen oder aus den Überschwemmungen der Bäche gewonnen.
Am Abend des 4. September 1618 ging eine gewaltige Mure von der linken hydrographischen Bergseite ab. Die Naturgewalt zerstörte alles, hinterliess nur Schutt und mehrere tausend Opfer. Der Tod triumphierte. Nichts wurde im Dorf verschont, keiner der wunderschönen Palazzi, keiner der hübschen Gärten, nichts von der Pracht der Kirchen. Ein unförmiger Haufen Felsen und Erde bedeckte das heitere Dorf, von dem man in den Chroniken der damaligen Zeit berichtete. Die Nachricht dieses apokalyptischen Unglücks verbreitete sich sehr schnell im damaligen Europa, in dem die reichen Kaufleute aus Piuro an den Hauptumschlagsplätzen aktiv gewesen waren.
Palazzo Vertemate FranchiZwei Jahre vor der Zerstörung des Dorfes Piuro schrieb der Graubündner Giovanni Guler, dass man es sehr gut mit einer kleinen Stadt vergleichen könne, mit ihren architektonischen Palazzi, den Glockentürmen, den Kirchen und den anderen Bauwerken, wenn es nur auch eine Stadtmauer hätte. Sein Hauptaugenmerk galt dem Besitz der Familie Vertemate, „gleich einem Prinzenpalast“ mit Gärten die er wegen der Blumenpracht, den Obstbäumen und der symmetrischen Anlage mit jenen in Posillipo und den Gärten der ligurischen Riviera verglich.
Die erschreckende Katastrophe verschonte den Palazzo in Cortinaccio, den sich die Brüder Guglielmo
und Luigi Vertemate Franchi (eine der vermögendsten Familien) einige Jahrzehnte vorher erbauen ließen. Er ist heute noch ein eleganter Bau. Seinerzeit war er umgeben mit „einem wunderschönen Garten mit Orangen-, und Zitronenbäumen, Zedern und vielen anderen seltenen Obstbäumen und Obststauden“. Dieser Palazzo wurde von der letzten Eigentümerin an die Stadt Chiavenna vermacht, mit der Auflage aus ihm ein Museum zu machen. So geschah es auch: heute ist er ein „Haus-Museum“.
In diesem Haus-Museum unterscheidet sich die äußerliche Strenge von der Feinheit des Innenausbaus: Intarsierte oder geschnitzte Verkleidungen und Holzdecken, an den Wänden die künstlerischen Malarbeiten eines Meisters die Götterfiguren und mythologische Szenen darstellen, die fast alle aus der Metamorphose des Ovid stammen.
Ein Besuch bietet die  Gelegenheit das feine Ambiente dieses Zweitwohnsitzes zu erkennen, den sich zwei Kaufleute des 16. Jh. außerhalb des Dorfes schufen. Es genügt, wenn man in den einzelnen Räumen  verweilt : im großen Saal des Giove (Zeus) und  des Mercurio (Merkur) und dem der Sternzeichen,  in den Räumen der Giunone ( Hera, Frau von Zeus), sowie in  denen der Karyatiden und des Bischofs.
Dem Palazzo angeschlossen sind eine kleine Kirche, Ställe, Häuser für die Bauern, eine Weinpresse, eine Hütte zur Trocknung der Esskastanien, ein Eiskeller, Gewächshäuser, zwei Gärten, Gemüsegärten, Obsthaine, ein Weinberg und ein Kastanienhain. Dies alles zusammengenommen machte den Komplex fast eigenständig.

Die Kirche Heilig Kreuz in Piuro
Die Kirchen auf den Reisewegen die zu den Alpenpässen führten, waren im Mittelalter oft dem Hl. Martin, Bischof von Tours gewidmet. In Bregaglia gab es drei davon: die erste steht im Gebiet des Dorfes Piuro, eine weitere in Villa ( heute ist sie nach dem Hl. Barnaba benannt) und die dritte in Bondo.
Die erstgenannte wurde in Draööch (Aurogo) gebaut, neben der Strasse die aus Piuro führte. Dort wo der Fluss schäumend zwischen den riesigen Felsen einer alten Mure herausstürzt, steht sie seit fast 1000 Jahren. Die Apsis der Kirche stand wie es damals Brauch war in Richtung Osten und wurde sogar vom Orgina Bach (Aurosina Bach) umspült. Nichts konnte die Wucht des Wasser anrichten. Dafür hat dann der Mensch im 18.Jh. gesorgt, indem er die harmonische und elegante Struktur zerstörte. Die halbrunde Apsis wurde abgerissen, um den neuen poligonalen Chorraum zu bauen; man versteckte die Gewölbehängedecke; die Frontmauer wurde bis zum Glockenturm vorgezogen; an der südlichen Seite wurde ein kleinesKirchenschiff angebaut in dem der Altar steht, welcher der Madonna del Carmine gewidmet ist.
Santa Croce di PiuroUm diesen Anbau mit der antiken Kirche zu verbinden, mussten die Außenwände in großen Teilen durchbrochen werden. Die Innenwände waren alle mit Fresken bemalt. In den 70er Jahren wurden die Fresken, die nicht bei den früheren Abriss- und Renovierungsarbeiten zerstört wurden, wieder ans Tageslicht gebracht. An der rechten Wand konnten einige Arbeiten gerettet werden, die Episoden aus dem Johannes Evangelium zeigen; man schreibt sie dem Maestro dell’ Apocalisse di Civate zu (1030-1050).Auf dem Altarbild des Hauptaltars ist der Hl. Martin abgebildet, der zwischen den Heiligen Rocco und Sebastiano dem Armen die Hälfte seines Mantels gibt. Der Glockenturm hat fünf Reihen zweibogige Fenster mit schlanken Topfsteinsäulen.Auf der anderen Flussseite nur einen Steinwurf entfernt,  steht eine andere romanische Kirche. Um dorthin zu gelangen überquert man den Mera über eine 1551 gebaute Brücke,  sowie die Staatsstraße und biegt in die alte Strasse „strada vecchia“ ein. Diese war einst mit Kieselsteinen gepflastert. Man geht nun auf dieser Strasse ein kurzes Stück entlang. Bevor man die Kirche erreicht,  steht rechts „das Haus der Justiz“/ „Ca de la giüstizia“, in dem der Graubündner Stadtvogt wohnte und Recht walten liess. In diesem Gebäude, das 1642 fertiggestellt wurde, wurden seinerzeit Prozesse gegen angebliche Hexen geführt . Einige von ihnen endeten auf dem Scheiterhaufen. An den Wänden des Amtsgerichts kann man noch die Abzeichen des Graubündner Dreigestirns (Tre-leghe) erkennen. Es handelt sich dabei um Wappen und Inschriften zu Ehren der Stadtvogte und dem Erzengel Michael , der die Justiz personifiziert. Etwas weiter entfernt, in einem rustikalem Gebäude ist eine alte Weinpresse aufbewahrt.Auf der anderen Seite der Strasse steht die Kirche S. Croce, die auch diesem Ortsteil den Namen gegeben hat. Dieses Rundgebäude wurde 1178 in einer päpstlichen Bulle erwähnt. Im 17.Jh. wurden zwei Kapellen eingeweiht; eine ist der „Auffindung des Kreuzes“ gewidmet und hat einen wertvollen, hölzernen Flügelaltar, 1499 geschnitzt und bemalt von Ivo Strigel aus Memmingen (Bayern). Bei geschlossenen Flügeln, kann man die Heiligen Bernardo, Giacomo maggiore, Giovanni evangelista und den Mönch Antonio sehen; es  wurden hierfür  Temperafarben verwendet. Bei geöffneten Flügeln sieht man die Flachrelieffiguren der Heiligen Sebastiano und Nicola di Mira. Im Mittelschrein sind die Figuren des Hl. Martino mit einem verkrüppelten Bettler, die Madonna mit Kind und ein anderer Heiliger, wahrscheinlich Cassiano zu sehen. Auf der Predella (Sockel) sind die zwölf Apostel und Christus dargestellt. Auf der Rückseite ist das Tuch Jesu  gemalt, welches  von zwei Engeln gehalten wird.

SpecksteinDer Speckstein
und das Gebiet um Piuro

Das antike Piuro war an einer paläogeographischen Grenze erbaut worden, wo ein etwa tausend Kilometer breiter „Arm“ des Ozeans unter den Alpen verschwand und als Zeugnis einen Kranz „grüner Steine” (Formation von Chiavenna) hinterließ. Hierbei handelt es sich um die Gesamtheit von Schuppen des oberen Mantels, die von der Schicht unter der verdünnten Kontinentalkruste, am nördlichen Rand einer nahe an Europa liegenden Insel stammt, die „brianzonese Mikrokontinent“ genannt wird. An bestimmten Stellen (Schnittzonen) verwandeln sich die an Kieselerde ärmsten und an Eisen und Mangan reichsten Gesteine in Schiefer, der überwiegend aus Chlorit und Talk mit Blattstruktur besteht, der nahezu frei von harten, faserigen Elementen wie Serpentin und Amphibol ist. Dieser einmalige Eigenschaften aufweisende Stein ist der Speckstein (pietra ollare, was auf lateinisch Topf bedeutet); er wurde von Plinius dem Älteren als lapis viridis comensis beschrieben. Zu seiner einfachen Verarbeitbarkeit an der Drehbank (die beiden Mineralien sind relativ weich, verbinden sich aber in überaus fester und kompakter Weise) kommen ein hoher Schmelzpunkt und eine hervorragende Wärmeträgheit hinzu. Zahlreiche Völker des Altertums, in den Alpen, aber auch in anderen Gebirgsketten, entdeckten diese Eigenschaften und nutzten sie bei der Herstellung von Werkzeugen. Manufakte aus Speckstein sind typisch für Val Malenco (mit einem grüneren und gleichmäßigeren Gestein) und das Gebiet um Chiavenna (typisch für die grauere Farbe und das gescheckte Aussehen). Die Funde antiker Gegenstände aus Speckstein aus dem Val Bregaglia-Tal (Töpfe, Kelche, verschiedene Lebensmittelgefäße und vieles mehr) sind über ein überaus großes Areal verteilt, das zwischen den Pässen dieses Alpengebiets liegt.
Dank seiner Handwerker und der privilegierten Lage für den Handelsverkehr, erlebte Piuro eine lange Periode des Wohlstands, bis zu dem Unglück vom 4. September 1618. Die Morphologie der Scilano-Ebene, mit der brüsken Abzweigung des Laufs der Maira nach Norden, zeugt von einer schlimmen Überschwemmung. Nach einer Zeit starker Regenfälle ergoß sich ein Schuttstrom, der wahrscheinlich durch einen alten Erdrutsch auf halber Höhe des linken Hangs erneut in Bewegung gesetzt wurde, über das Dorf und brachte Tod und Verwüstung.
Vor einigen Jahren hat sich ein italienisch-schweizerischer Kulturverein um die Bergung zahlreicher Manufakte gekümmert, die man sich im “Museum der Ausgrabungen von Piuro” (Abteilung des Museums von Valchiavenna) ansehen kann.
Unlängst hat ein Handwerker aus dem Val Bregaglia-Tal diese alte Tradition wieder aufleben lassen und die Machart etlicher dieser Gegenstände aus Speckstein nachgeahmt, die damals in den Häusern täglich verwendet wurden: Töpfe, Kelche, Behälter für Butter oder Schmalz. Heute sind dies wertvolle Artikel, deren Verarbeitung auf Wunsch direkt in der Werkstatt beobachtet werden kann.

Granitgipfel
Cime di granitoMàsino-Bregaglia ist der geographische Bezugspunkt, der das Gebiet angibt, wo eines der Hauptgranitmassive der Alpen gefunden wurde. Die besonders kompakten Felsen wurden von der Erosion in Form von Kränzen aus Bergspitzen, Wänden und Nadeln modelliert, die nicht nur die Bergsteiger der ganzen Welt, sondern auch Touristen, Dichter und Maler begeistert haben. Der Blick auf die Gipfel von Sciora und die gleich daneben liegenden Cengalo und Badile ist wirklich unvergleichlich. Weiter im Süden zeichnet sich der prächtige Sasso Manduino ab, ein Kernpunkt, der das Panorama des oberen Comer Sees und des unteren Valchiavenna-Tals überragt. Der mittlere Teil des Granitmassivs besteht aus einem Felsen, bei dem die hellen „Augen“ des Feldspatkristalls auffallen, die bis zu zehn Zentimeter lang sind. Häufig treten sie aus den Gesteinsplatten hervor, (die „piodesse” gennant werden, ein Begriff aus dem Veltlin, der Lesern von Bergbüchern vertraut ist) und erleichtern das felsnahe Hinaufklettern. Die angrenzenden Granite und Gesteine werden von Pegmatitgängen durchschnitten, in denen man Beryllkristalle der Sorte Aquamarin und Granat in Weinrot finden kann, die zu den schönsten der Alpen gehören.

Stampa, Heimat von Alberto Giacometti
StampaMitglieder der Familie Giacometti, eines 1271 von Papst Gregor X. mit dem Jerusalemkreuz ausgezeichneten Mailänder Geschlechts, wurden wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von der Gegenreformation aus Mailand vertrieben und liessen sich im Bergell, einem Tal mit einem hohen protestantischen Bevölkerungsanteil, nieder. Aus einem Zweig der Familie, der „Dal punt“ genannt wurde (d.h. Bewohner des Hauses an der Brücke – „punt“ – im Zentrum von Stampa, in dem sich ehemals das Hotel Piz Duan befand), ging der 1868 geborene Giovanni Giacometti, Sohn des Hoteliers Alberto Giacometti (1834-1900) und von Caterina Ottilia geb. Santi, hervor. Nach einigen ausserhalb des Tals verbrachten Studienjahren kehrte Giovanni wieder in die Heimat zurück, wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1933 lebte und arbeitete. Sein Atelier in Stampa wurde bald auch von seinem ältesten Sohn Alberto genutzt, der 1901 in Borgonovo geboren wurde, wo die junge Familie unmittelbar nach Giovannis Heirat mit Annetta Stampa einige Jahre lang lebte. Der Mensch Alberto Giacometti und sein Werk sollten auf viele eine aussergewöhnliche Faszination ausüben.
Aus der aus Stampa stammenden Künstlerfamilie der Giacometti sind auch Diego (1902-1985), Bruder und Mitarbeiter von Alberto und heute als eigenständiger Künstler anerkannt, sowie Augusto Giacometti, ein Cousin zweiten Grades von Giovanni, zu erwähnen. Augusto (1877-1947) arbeitete sich als Erster systematisch in das Gebiet der farblichen Abstraktion ein. Für Alberto Giacometti war Stampa Startpunkt und sollte sein ganzes Leben lang eine zentrale Bedeutung behalten. „Bald sollte ich wieder mit der Arbeit anfangen. Sobald ich in Stampa bin. Plastilinskulpturen, Köpfe, Bilder und Zeichnungen […] Aktzeichnungen, -bilder und -skulpturen.“ Das schrieb der Künstler im Februar 1963, drei Jahre vor seinem Tod. Dass in Stampa seine Mutter Annetta lebte, die erst zwei Jahre vor ihrem ältesten Sohn starb, war sicherlich der Hauptgrund dafür, dass sich der Künstler immer wieder zu seinem Geburtsort hingezogen fühlte. Die Künstlerfamilie Giacometti hat in Stampa ihre Spuren hinterlassen: die Fassaden der Wohnhäuser und des Ateliers entlang der Hauptstrasse, einige Werke im Museum Ciäsa granda, die Gräber auf dem Friedhof Borgonovo. Doch die Erinnerungen verblassen.

 

Die Strasse des Bergells

ITALIENISCHE SPRACHE UND KULTUR IN GRAUBÜNDEN
Von Luigi Menghini, Chur
Das Nebeneinander von drei Kulturen (der deutschen, der rätoromanischen und der italienischen) ist eine in der Geschichte des Kantons Graubünden tief verwurzelte Eigenheit, die bis heute prägend für das kulturelle, soziale und wirtschaftliche Leben der Region ist.

Ein Blick in die Geschichte
Der Kanton blickt auf eine äusserst komplexe und einzigartige Geschichte zurück. Die zerklüftete Gebirgsgegend war aufgrund ihrer Funktion als Bindeglied zwischen Nord- und Südeuropa in vergangenen Jahrhunderten vielfach umkämpft und umworben. Bereits im Mittelalter erkannten die Feudalherren, die die grossen Alpentäler beherrschten, die Bedeutung der Alpenübergänge und suchten sich die Möglichkeiten, die sich aus der Kontrolle der Gebirgspässe sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite des Alpenhauptkamms ergaben, zunutze zu machen. Nachdem sich die Region in der Neuzeit zum Staat der Drei Bünde zusammengeschlossen hatte, trat sie dann im Jahre 1803 auf Betreiben Napoleons der Eidgenossenschaft bei.
Bereits vor der ersten Jahrtausendwende begannen sich die über den Alpenhauptkamm reichenden Grenzen der Region herauszubilden. So erhielt der Bischof von Chur im Jahre 960 von Kaiser Otto I. das Bergell als Lehen und damit die Kontrolle über den Septimer. Im Jahre 1367 kam die Talschaft zum Gotteshausbund. Das Interesse am Alpenübergang über den Septimer schwand jedoch, als in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Strasse über den Malojapass gebaut wurde. Im Jahre 1408 unterwarf sich die Talschaft Puschlav unter Ausnutzung eines in der südlichen Lombardei entstandenen Machtvakuums dem Bischof von Chur und trat damit ebenso dem Gotteshausbund bei. Mit diesem Tal erlangte der Bischof von Chur auch die Kontrolle über den Berninapass, der nach der Graubündner Eroberung des Veltlins im Jahre 1512 erstrangige Bedeutung für den Handel zwischen den beherrschten Ländereien und den Drei Bünden erlangen sollte. In der Zeit zwischen 1480 und 1496 kamen auch das Mesocco-Tal und das Calanca-Gebiet zum Grauen Bund, womit auch der Alpenübergang über den San Bernhardino von den Drei Bünden kontrolliert wurde. Dies stellte allerdings nur frühere Zustände wieder her, insofern bereits die De Sacco, ein Feudaladelsgeschlecht aus dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, ihre Besitztümer bis in das Hinterrheintal ausgedehnt hatten. Historisch gehören also die drei italienischsprachigen Regionen des südlichen Graubünden bereits seit dem 15. Jahrhundert zum Kanton. In der Zeit zwischen 1512 und 1797 hatten die italienischsprachigen Talschaften Graubündens sogar eine privilegierte Stellung in einem wichtigen System von Verkehrsverbindungen inne.

Die Sprache im italienischen Graubünden
Der italienischsprachige Teil Graubündens, der zusammen mit dem Tessin die italienische Schweiz bildet, ist weder politisch eine Einheit noch ein einheitlicher Amts- und Verwaltungsbezirk, sondern es handelt sich um drei weit auseinanderliegende, von Gebirgszügen getrennte Einzelregionen, die eine „imaginäre Gemeinschaft“ bilden, die in der Vorstellung ihrer Mitglieder besteht. Italienische Sprache und Kultur konnten in Graubünden aufgrund der geografischen Isolation, aber auch durch die Anbindung an die benachbarten Gebiete des Tessins und Italiens überdauern. Um die fehlende territoriale Einheit zu kompensieren, wurde im Jahre 1918 mit „Pro Grigioni Italiano“ der erste Verein zum Schutz der italienischen Sprache und Kultur im Kanton Graubünden gegründet.
Die Gebiete, in denen traditionell italienisch beziehungsweise ein nordlombardischer Dialekt gesprochen wird, stellen heute 15% der Gesamtfläche des Kantons mit einem Anteil von 7.5% an der Gesamtbevölkerung dar. Bei der Volkszählung des Jahres 2000 zeigte sich ausserdem, dass das Italienische auch stark bis in das Gebiet des Oberengadins vordringt.
Die Wirtschaft im italienischen Graubünden
Die wirtschaftlich grösste Bedeutung hat in diesem Gebiet der tertiäre Sektor: Im Fremdenverkehr und im Dienstleistungssektor arbeiten 49.8% der Beschäftigen im Bezirk Moesa (insgesamt 2583), 57.8% im Bergell (insgesamt 900) und 58.4% im Puschlavtal (insgesamt 2479). Der primäre Sektor beschäftigt 13.5% der Arbeitnehmer im Bezirk Moesa, 10.7% im Bergell und 14.5% im Puschlavtal, während im sekundären Sektor jeweils 36.7%, 31.5% beziehungsweise 27.1% arbeiten.
Aufgrund der naturräumlichen Beschaffenheit der drei Regionen stellt der Bereich der Wasserkraftnutzung einen wichtigen Arbeitgeber für die italienischsprachigen Graubündner dar. Im Puschlavtal bietet zudem die Rhätische Bahn eine gewisse Anzahl an Arbeitsplätzen. Die geografische Lage des Bezirks Moesa begünstigt eine hohe Anzahl an Tagespendlern, die im Kanton Tessin arbeiten. Die Nähe zum Engadin ist schliesslich von entscheidender Bedeutung für den Bereich der kleinen und Handwerksunternehmen sowohl im Bergell als auch im Puschlavtal.


 
 
PROGETTO INTERREG IIIA
ITALIA SVIZZERA
italia schweiz regione lombardia ... Europa Graubunden MUVIS - museo via Spluga Progea Wildvet Project Pro Loco Valle del Bitto
 

contatti via priula ecc..