Passo Spluga - Coira
   
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Da Bergamo a Coira lungo le vie storiche
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ALLGEMEINE HINWEISE

Charakterisierung der Flora und Fauna

 
HISTORISCHEN STRAßEN
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S.Marco Pass
02 S.Marco Pass
Morbegno
03 Morbegno
Dubino
04 Dubino
Chiavenna
05 Die Strasse
des Bergells
06 Chiavenna
Splügenpass
07 Splügenpass
Chur
KARTEN

Die ViamalaDie Viamala,
ein Kapitel in der europäischen Kulturgeschichte

Auf unserer Wanderung über den Splügenpass haben wir bereits zwei einzigartige Schluchten kennen gelernt: den Cardinello und die Roffla. Das imposanteste Schluchterlebnis bildet aber zweifellos die Viamala mit ihrer ca. 70 m tiefen und stellenweise nur 3 m breiten Klamm, in die man seit 1903 mittels einer Treppe hinuntersteigen kann. Für jeden Menschen bildet diese grösste Schlucht in Graubünden ein besonderes Erlebnis. Dies gilt für die Einheimischen, die mit der Viamala lebten und sich um deren Ausbau bemühten, dies gilt auch für jene, die hier durchzogen: Der römische Legionär erlebte sie anders als der Pilger und Kaufmann im Mittelalter, der romantische Dichter und der englische Landschaftsmaler anders als die ersten Radfahrer und Automobilisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und auch heute erleben wir eine besondere Viamala, in der im Sommer unzählige Reisecars Hunderte von Touristen ausladen, während man im Winterhalbjahr einsam und fernab vom Nord-Südverkehr die Schlucht durchwandert und dabei etwas von jenem leisen Grauen verspürt, das einst Dichter, Maler und Musiker und viele andere Reisende überwältigte Helen Maria Williams, 1794: «Wir sahen uns durch den Rhein eingeschlossen, zwischen zwei Felswänden von ungeheurer Höhe und von Fichten gekrönt; die Strasse war aufgehängt auf der Flanke einer dieser Felswände zwischen ihrem Gipfel und der tiefen Einbuchtung, wo der Fluss fliesst. Die Sicherheit dieser Strasse erlaubte uns, ohne Angst diesen enormen Einschnitt zu betrachten, auf welchen die hohen Wälder, die nicht einmal von den Sonnenstrahlen durchbohrt werden können, stets einen breiten und dunklen Abendschatten werfen. Die schnellen und eingezwängten Wasser rauschen tief unten im Schlund.»
Friederike Brun, 1795: «Die Viamala ist und bleibt der entsetzlichste Moment auf diesem Todeswege! Denn hier erstirbt alle Hoffnung, hier, wo die schwärzeste Nacht mit gleich schwerem Fittich den dunkelsten Abgrund und die schwindelndste Höhe umschwebt.»
Franz Xaver Mozart, 1820: «Zwischen ungeheuren Felsmassen führt der Weg; gegen 500 Schuh tief, zwingt sich der Rhein durch ein enges Felsenbeete, und ebenso hoch türmen sich schroffe Gebirge über dem Haupte. Und nun denke dir einen schmalen, ungeebneten Weg ohne Geländer, eine dunkle Nacht, in der kaum zu Zeiten ein Sternchen flimmert.» Friedrich Nietzsche, 1872: «Es war die schönste Postfahrt, die ich je erlebt habe. Ich schreibe nichts von den Grossartigkeiten der Viamala: Mir ist es, als ob ich die Schweiz noch gar nicht gekannt habe. Das ist meine Natur, und als wir in die Nähe des Splügen kamen, überkam mich der Wunsch, hier zu bleiben.» Theodor Fontane, 1874: «In der Viamala wird die Grossartigkeit ganz rein verzapft; wenn sie einen Beisatz hat, so ist es der des Schrecklichen, der zum Imposanten und Gewaltigen au fond besser passt als das Schönheitliche. Das Wesen der Schönheit ist das Mass, das in einer Art Gegensatz zum Grossartigen steht.» Wolfgang Hildesheimer, in «Marbot» 1981: «Ein jäher Riss in der Erdkugel, markiert von geborstenem Fels, wie eine riesenhafte Wunde, an deren ungeheuerlichen senkrechten Rändern, deren obere Hälfte hier und dort, auf einem schmalen Vorsprung oder auch nur aus dem Stein wachsend, ein verirrter dünner Baum schmückt, deren unter Hälfte jedoch niemals von einem Sonnenstrahl berührt wird, einerseits auf verwegener Höhe, andrerseits aber auch in gefährlicher Tiefe, die Strasse entlang führt.» Auch Johann Wolfgang von Goethe, der am 31. Mai 1788 die Viamala passierte, war von dieser Schlucht sehr beeindruckt. Er widmete ihr aber keinen poetischen Text, sondern eine faszinierende Tuschzeichnung. Die Viamala hat ja nicht nur in der Literatur Spuren hinterlassen, sondern auch in der bildenden Kunst, denken wir nur an Jan Haeckert, Joseph Anton Koch, William Pars, John Robert Cozens, John Frederick Lewis oder an den grossen englischen Maler William Turner, der anfangs September 1843 in der Viamala eines seiner bedeutendsten Werke schuf.

AndeerDer "Granit" von Andeer
Vor etwa 300 - 280 Millionen Jahren lief der Pangea genannte Megakontinent Gefahr, sich zu zersplittern, was dann während des Trias wirklich geschah. Die erste Episode schuf immerhin einen starken Vulkanismus, der sich entlang riesiger Bruchlinien konzentrierte. Die Vulkane wiesen größtenteils eine explosionsartige Tätigkeit auf, wie in die paläogeographischen Rekonstruktionen durch die Caldere (Kesselformen) und vor allem die Beschaffenheit ihrer Ablagerungen bewiesen wird. Vulkangestein findet sich, außer den Graniten, die den jeweiligen Magmakammern entsprechen, auf ein weites Gebiet, an den alten kontinentalen, afrikanischen und europäischen Grenzen verteilt. Die in diesem historisch-naturwissenschaftlichen Führer beschriebene Route versetzt uns in die Lage, sowohl die in der Tiefe verfestigten Granite (wie der Truzzo Metagranit, der am Flußbett des Wildbachs Liro entlang, gleich oberhalb der Postaiolo-Brücke, in all seiner Pracht zu bewundern ist), als auch die Lava- und Tuffsteine (pyroklastische Ströme) in den oberflächlicheren Felsschichten, die die kristallinen Sockel überziehen, zu beobachten. In den („afrikanischen“) Orobischen Alpen sind unter den Vulkaniten Sedimente der Collio-Formation geschoben; weiter im Norden findet man sie in Val San Giacomo, Val Ferrera und Val Schons in den Decken europäischen Ursprungs (Tambò und Suretta). In beiden Fällen erkennt man sie am Vorhandensein einiger Spurenelemente (wie Uran und Gold), die generell höher ist als in anderen Lithologien. Gleichaltrige Gesteine gleichen Ursprungs haben eine andere geologische Geschichte erlebt. Die in den Zentralalpen zutage tretenden Gesteine lassen die Auswirkungen der Metamorphose erkennen. Der enorme Druck hat die Struktur des Urgeisteins verändert und ihr eine mehr oder weniger auffällige Foliation verliehen. Ist diese dicht und regelmäßig, kann das Gestein leicht in Platten geteilt werden. Die Mineralien neuer Formation, eine Mischung von Weißglimmer (Phengit) und Chloriten, lassen einen besonderen Glanz und eine ansprechende Farbe zwischen Jadegrün und Hellgrün, zart und gescheckt, entstehen. Das sind jeweils der „grüne Quarzit vom Splügenpaß”, die Handelsbezeichnung für einen Stein, der viel für Verkleidungen verwendet wird, und der Granit, der als „Andeer Grün” verkauft wird und kompakter, mit einer grau-violetten Schattierung aussieht. Insbesondere ist der „Andeer Granit“ ein Porphyroid mit mittlerer Körnung, der sich zum Polieren eignet und ästhetisch optimale Resultate ergibt. In der Tat wird dieser Stein für kleine Luxusobjekte wie Uhrgehäuse und Parfümflaschen verwendet.

Die Petroglyphen von Carschenna
Die Petroglyphen von CarschennaVon der Felsmalerei gibt es zahlreiche Beispiele in kulturell ziemlich unterschiedlichen Gegenden. In den Alpen finden sich bedeutende Spuren vor allem dort, wo die Gletschererosionsflächen gut erhalten sind, an feinkörnigem und nicht übermäßig hartem Gestein. Die Zeichungen sind dort am besten erhalten, wo es sich um Silikatgestein oder zumindest um Stein handelt, der arm an Karbonaten und daher kaum verkarstbar ist. Diese Beobachtungen deuten auf die Verfügbarkeit geeigneter Flächen an verschiedenen Orten der Zentralalpen hin, darunter mit Sicherheit das Gebiet um Carschenna, in Luftlinie ein paar Kilometer von Thusis entfernt. Die Lage dieses Ortes ließ grandiose Gletscherzungen, die von den Massiven des Adula und des Albula gespeist wurden und talwärts, entlang von im Norden zusammenlaufenden Tälern fließen. Wunderschöne „gletschergeschrammte” und in Kalkschiefer gehauene Gesteine finden sich in der Nähe eines über dem Hinterrhein und dem Albula hängenden Glacis. Den Ort kann man von beiden Tälern aus erreichen, auch wenn der Zugang vom Osten aus sicherlich bequemer ist, wobei man einen Höhenunterschied von kaum mehr als 300 m überwinden muß. Der kleine Ort Campì liegt an der Mündung des Albula-Tals, etwa 740 m ü.d.M. Ein Dreiweg links umfaßt eine nicht asphaltierte Privatstraße, die sich in Serpentinen hinauf windet und mit dem Hinweis „Carschenna Obermutten” beschildert ist. Nach drei Serpentinen, an einer anderen Abzweigung, steht ein Schild, das die Ortschaft „Crap Carschenna” anzeigt. Nimmt man als Bezugspunkt eine Fernleitung, erreicht man nach kaum mehr als einer Stunde Wanderung den ersten und wichtigsten einer Gruppe von zehn eingeritzten Felsen, die zufällig in den 60er Jahren entdeckt wurden. Die übrigen Felsen liegen in unmittelbarer Nähe, zwischen Lichtungen und Tannwäldern.
Die Gravierungen bestehen aus konzentrischen Kreisen, zusammen mit Kapellen und geraden Kanälen. Man erkennt symbolische Figuren wie ein Pferd mit Reiter, weitere Pferde, Vogelfüße. Bei diesen uralten Zeichnungen haben Wissenschaftler sowohl originelle Züge des alpinen Bereichs, als auch überraschende Ähnlichkeiten mit Petroglyphen aus entfernteren Gegenden wie Schottland und Galizien festgestellt. Wer sich näher mit diesen sicherlich faszinierenden Themen befassen möchte, dem ist die Lektüre von „L’arte rupestre preistorica nell’Europa occidentale“ (prähistorische Felsmalerei in Westeuropa) von G.C. Borgna (Pinerolo, 1980) zu empfehlen.

Die Einwanderung der Walser
Etwa ums Jahr 1000 erreichte eine kleine Gruppe von Alemannen von Norden her die Hochebene des Goms, die damals höchstgelegene aller Alpensiedlungen. Wir wissen nicht genau, was dazu geführt haben mochte, dass ein Teil dieser Hirten, Viehzüchter und Bergbauern das obere Wallis schon bald wieder nach allen Himmelsrichtungen verliess, um auf diese Weise von «Wallisern» allmählich zu «Walsern» zu werden. Waren es die grossen Kinderzahlen, die eine Überbevölkerung verursachten, waren es Naturkatastrophen oder Klimaveränderungen, waren es die Pest oder ganz einfach der Drang nach Abenteuer? Eine zentrale Rolle spielten die Feudalherren in den Alpen mit ihren verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen, die es gestatteten, Untertanen in unwirtlichen Gegenden anzusiedeln, um damit eine Festigung der Herrschaftsansprüche, eine Vermehrung der Bevölkerung und der Anbaufläche sowie den Unterhalt und die Kontrolle über die Alpenpässe zu verwirklichen. Als Entgelt für diese kolonisatorische Tätigkeit unter erschwerten Bedingungen handelten sich die Walser verschiedene Rechten und Freiheiten ein, welche damals noch keineswegs für alle selbstverständlich waren: die volle persönliche Freiheit, das Recht zur Bildung eigener Gerichtsgemeinden und das Recht der freien Erbleihe, das besagt, dass beim Tod des Siedlers das Gut auf seine Erben überging, die einen unveränderbaren Zins dafür bezahlten.Die Wanderungen der Walser, die durch das im 12./13. Jh. herrschende, relativ milde Klima in den Alpen begünstigt wurden, führten vor allem nach Süden, in die höchsten italienischen Alpentäler südlich des Monte Rosa und ins Val Formazza. In verschiedenen Schüben zogen die deutschsprachigen Siedler ostwärts nach Rätien, ins Rheinwald und ans Landwasser bei Davos. Von den ersten Stammkolonien breiteten sie sich in die benachbarten Talschaften aus: von Hinterrhein nach Vals, Safien, Avers und Mutten, von Davos nach Klosters und durchs Prättigau sowie ins benachbarte Schanfigg. Wenig geklärt ist der Wanderweg ins St. Galler Oberland, nach Liechtenstein, Tirol und Vorarlberg, wo zu Beginn des 14. Jh. das Kleinwalsertal und damit das Ende der «späten inneralpinen Völkerwanderung» erreicht wurde. Die Walser waren während Jahrhunderten als Bauern und Säumer tätig. Dies führte dazu, dass in den Walsergebieten gleiche oder ähnliche Arbeitsweisen und -geräte entwickelt wurden. Die Rede ist z.B. von der gekrümmten Sense, vom System der Heutrocknung und des Heuzugs im Winter, von verschiedenen Holzgeräten in der Milchverarbeitung oder von Transportmitteln. Die private Einzelsennerei, die heute zugunsten des rentableren Genossenschaftsbetriebes beinahe verschwunden ist, kann als «Walser Merkmal» bezeichnet werden, das von der Walliser Urheimat bis in die östlichsten Niederlassungen Vorarlbergs anzutreffen war. Wir kennen auch übereinstimmende Sagenmotive und –gestalten, zudem war den Walsern die Verehrung des heiligen Theodul, eines der ersten Walliser Bischöfe, gemeinsam. Hinsichtlich der Walser existieren diverse Klischeevorstellungen wie z.B. «Walser bauen nur Holzhäuser. Walser als Individualisten leben in Streusiedlungen.» Richtig ist, dass Streubauweise und Holzbauten bei den Walsern besonders häufig anzutreffen sind. Als die Walser im 13./14. Jh. in ihrer neuen Heimat ankamen, waren die gut bebaubaren Flächen von den alteingesessenen Bewohnern, mehrheitlich Romanen, längst besetzt. So blieben ihnen meist nur die unwirtlichen Gebirgsgegenden, die oft über 1500m, im Avers gar über 2000m Meereshöhe lagen. Hier gab es nur wenig ebenen Boden, der sich für die Anlage eines Dorfes geeignet hätte. Da man in dieser Höhenlage zudem einen grossen Umschwung benötigte, um das notwendige Futter zu sammeln, waren die Walser, die ihre Existenz auf die Viehwirtschaft abstützten, oft gezwungen, sich mit ihren Hofsiedlungen weit verstreut voneinander niederzulassen. Wo die Topographie eine Streuung jedoch nicht zuliess, wie etwa im Rheinwald, entstanden geschlossene dörfliche Siedlungen. Die Bedingungen der Umwelt prägten auch den Hausbau. Meist handelt es sich um Holzhäuser, aber es wäre falsch zu behaupten, Walser bauten nur Holzhäuser. Ein «Walserhaus», das man überall antrifft, gibt es überhaupt nicht, denn dieses hat sich je nach Siedlungsregion unterschiedlich herausgebildet. So kann man von einer faszinierenden Vielzahl walserischer Haustypen sprechen, für die jene Baumaterialien zur Anwendung gelangten, die in der Umgebung reichlich vorhanden waren.Etwas vereinfachend wird behauptet, die Kultur der Walser sei letztlich eine Sprachkultur. Bei diesem Volk war und ist die Sprache auch heute noch mehr als ein blosses Verständigungsmittel: Sie stellt ein über 700 Jahre altes Bindeglied zwischen sämtlichen Walsersiedlungen im zentralen Alpenraum und dem Ursprungsland an der Rhone dar. Leider ist aber gerade diese Sprache mancherorts bedroht oder gar am Verschwinden. Da es Leute gibt, welche diese Problematik erkennen, werden grosse Anstrengungen unternommen, um mit dieser Sprache ein wertvolles Stück alpiner Lebensweise - und damit auch das wesentliche Element der Walser Kultur - in die Zukunft hinüberzuretten.

CoiraChur
Chur ist die Hauptstadt Graubündens und zählt heute rund 35’000 Einwohner, von denen 80% deutsch und je 6% rätoromanisch bzw. italienisch sprechen. Der Ausländeranteil liegt bei etwas 18%.
Ausgrabungsfunde beweisen, dass Chur bereits zur mittleren Steinzeit, etwa ums 11’000 v. Chr., erstmals und seither ununterbrochen besiedelt worden ist und deshalb zu Recht als älteste Stadt der Schweiz gilt. Vor gut 2000 Jahren nahm mit dem Eroberungsfeldzug der kaiserlichen Stiefsöhne Drusus und Tiberius die römische Vergangenheit der heutigen Stadt Chur, einst Curia Raetorum, ihren Anfang. Wichtig war stets die günstige Lage an einer der wichtigsten Nord-Süd-Routen Europas: Einerseits öffnete sich hier von Norden her das Rheintal als Eingangstor zum Passland Graubünden, andererseits verzweigte sich in Chur der Weg zu den Alpenübergängen Julier und Septimer, Splügen und San Bernardino. Schon 451 wurde mit Asinio zum ersten Mal ein Bischof von Chur erwähnt; die Anfänge des Bistums reichen aber vermutlich bis ins 4. Jahrhundert zurück. Gegen Ende des ersten Jahrtausends nahm der Bischof auch in weltlichen Belangen eine immer wichtigere Stellung ein. Im späten Mittelalter kam es aber immer wieder zu Streitereien zwischen der Stadt und dem Bischof, was gegen Ende des 15. Jahrhunderts die beinahe vollständige Befreiung von der bischöflichen Herrschaft zur Folge hatte.Damit wurde eine neue Stadtverfassung möglich, die vor allem auf den neu gegründeten fünf Zünften der Rebleute, Schuhmacher, Schneider, Schmiede, Pfister beruhte. Auch die Landwirtschaft, die in Chur bis weit in die Neuzeit eine wichtige Rolle spielte, wurde von der Zunftordnung erfasst. Durch diese neue Verfassung ging die politische Macht vom Bischof an die Handwerksverbände über. Eine politische Karriere war nur noch als Zunftmitglied möglich, weshalb auch Adelige den Zünften beitraten.Während der Bündner Wirren mussten die Churer die Einquartierung fremder Truppen erdulden. Während der französischen Revolution und den napoleonischen Feldzügen wurde Graubünden ab 1798/99 zum Kriegsschauplatz und je nach Kriegsglück geriet die Stadt Chur in französische oder österreichische Hand. Obwohl die Zünfte in Chur den Untergang des Ancien Régime überstanden hatten und wieder auflebten, erwies sich die Zunftordnung zunehmend als Hindernis. Eine nur für wenige geltende politische Mitsprache und die fehlende Gewerbefreiheit stiessen vermehrt auf Kritik der benachteiligten Bewohner, und 1840 erfolgte die Aufhebung der Zünfte sowie die Einführung einer neuen liberalen Stadtverfassung.Seit 1803 gehört Graubünden der Schweizerischen Eidgenossenschaft an, und Chur wurde zur Hauptstadt des neuen Kantons. Im 20.Jahrhundert wuchs die Stadt unaufhaltsam und beherbergt heute 15mal mehr Einwohner als noch vor 200 Jahren. Das kleine, einst von Landwirtschaft und Transit geprägte Zunftstädtchen hat sich in eine moderne Metropole gewandelt, in der wegen ihrer Zentrumsfunktion neben den städtischen und kantonale Verwaltungszweigen auch kulturelle Institutionen ihren Sitz gefunden haben. Den Mittelpunkt der Stadt bildet heute der Postplatz, wo sich auch das Bündner Kunstmuseum befindet. Es stellt Gemälde und Skulpturen verschiedener Bündner Künstler des 18. bis 20. Jahrhunderts aus. Die Altstadt mit ihren Zunft- und Bürgerhäusern liegt zwischen dem Fluss Plessur, dem Postplatz und dem auf einem Hügel erbauten barocken bischöflichen Hof mit der romanisch-gotischen Kathedrale. Am Fuss des Hofs, in unmittelbarer Nähe des Rätischen Museums, steht die evangelische Pfarrkirche St. Martin, ein spätgotischer Bau. Am Ostrand der Altstadt befindet sich der Regierungsplatz mit dem 1752 errichteten Regierungsgebäude. Es beherbergt neben der Staatskanzlei und dem Sitzungssaal des Regierungsrates auch die Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv. Auf dem Regierungsplatz erhebt sich das mit Marmor vom Splügenpass gestaltete Vazerol-Denkmal, das an die Vereinigung der Drei Bünde im Jahre 1471 erinnert.

 

 
 
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